Der Feminismus lässt sich nicht reformieren
Er muss mit Stumpf und Stiel vernichtet werden
[Dies ist ein leicht überarbeiteter Auszug aus dem Vorwort zu Fiamengo‘s neuen Buch, das am 4.8.2026 bei New English Review Press erschienen ist: „The Goddess That Failed: Feminism’s Unending War Against Men, Families, and Civilization Itself“. Das Buch basiert weitgehend auf dem Fiamengo Dossier 2.0 (siehe im Anhang unten).]
Der Feminismus stellt eine Bedrohung für alles Gute in der westlichen Kultur dar, vielleicht ganz besonders für die Fähigkeit der Frauen zu lieben, mit Vernunft zu denken und Selbstbeherrschung zu üben.
Bevor ich zur Kritikerin wurde, war ich eine Anhängerin des Feminismus. Ich habe seine euphorische Begeisterung und seine selbstgefällige Überzeugung von moralischer Reinheit gespürt. Später erkannte ich seine Hybris und seine moralische Hohlheit.
Ich bin mit den Kerntexten des Feminismus vertraut, von Mary Wollstonecraft (Deutsch) bis Mary Anne Franks, da ich sie jahrelang studiert und an sie geglaubt habe. Ich verstehe die Psychologie und die Geschichte der Bewegung, weil ich viele Jahre lang in ihr gelebt habe.
Im Gegensatz zu anderen, die die Auswüchse des Feminismus kritisiert haben, behaupte ich, dass es zwar einige gemäßigte Feministinnen gibt, es aber nie einen gemäßigten Feminismus gab, der von vernünftigen Zielen inspiriert und frei von männerfeindlichem Fanatismus war. Der Feminismus ist nicht an einem bestimmten Punkt in der Geschichte auf den falschen Weg geraten, sei es nach der zweiten Welle oder davor, sei es im Anti-Sex- oder im Pro-Sex-Eifer. Er war stets in Ressentiments und Neid verwurzelt und durch utopische Sehnsüchte und falsche Vorstellungen von weiblicher moralischer Überlegenheit verzerrt.
Jahrzehntelanges Schüren von Unmut und Vorwürfen durch den Feminismus hat unweigerlich zu unserer heutigen Zeit geführt, die von unaufhörlichen Klagen, antiwestlichen Anliegen, hysterischen Anschuldigungen, grassierenden Scheidungen, einer sinkenden Geburtenrate, Millionen von Abtreibungen und männerfeindlicher Grausamkeit geprägt ist. Der Feminismus hat die Stabilität und Lebensfähigkeit aller westlichen Gesellschaften untergraben und wird dies auch weiterhin tun.
Seit ich 2012 und 2013 zum ersten Mal begann, über Feminismus zu sprechen und zu schreiben, stieß ich immer wieder auf dieselbe Reaktion von Feministinnen: „Was du beschreibst, ist kein echter Feminismus“ oder „Diese Feministinnen sprechen nicht für alle Feministinnen“ und so weiter.
Mir wird regelmäßig vorgeworfen, mich selbst zu hassen, andere Frauen zu hassen und/oder nach männlicher Anerkennung zu streben. Von denen, die sich nie mit Feminismus auseinandergesetzt haben, wird mir vorgeworfen, den Feminismus nicht zu verstehen.
Es stimmt, dass nicht alle Feministinnen so leidenschaftlich sind wie eine Andrea Dworkin oder eine Sally Miller Gearhart. Sie fantasieren nicht alle, wie Gearhart es tat (unter großem Beifall und überschwänglichem Lob) darüber, wie viel besser das Leben wäre, wenn die Zahl der Männer auf 10 % der Weltbevölkerung reduziert werden könnte. Sie schwärmen nicht, wie Mary Daly es tat, von einer Dekontaminierung der Erde durch eine solche Reduzierung. Sie machen keine Witze über die Tötung von Männern als Dienst an der Öffentlichkeit, wie es Mona Eltahawy tat.
Es ist aber auch wahr, dass solche bösartigen Frauen und die vielen anderen, die der Bewegung ihre böswillige Energie geliehen haben, von anderen feministischen Führungspersönlichkeiten nie abgelehnt wurden. Tatsächlich ist die Schamlosigkeit der Feministinnen angesichts blutrünstiger feministischer Äußerungen bemerkenswert konsequent.
Zwar gibt es viele Varianten des Feminismus, die sich nicht in jedem Punkt einig sind: radikaler Feminismus, sozialistischer Feminismus, lesbischer Feminismus, postkolonialer Feminismus, intersektionaler Feminismus, Ökofeminismus, Tierrechtsfeminismus, abolitionistischer Feminismus, transinklusiver Feminismus, Feminismus für geschlechtsspezifische Rechte, mütterlicher Feminismus und sogar (am bizarrsten) konservativer oder reaktionärer Feminismus. Manche dehnen ihr Mitgefühl auf andere Opfergruppen als Frauen aus, wie zum Beispiel Transfrauen, illegale Einwanderer, Palästinenser oder die Umwelt.
Solche Unterscheidungen interessieren mich nicht, da keine davon einen wirklichen Unterschied macht.
Keine entkommt der Opfermentalität: dem Glauben, dass die Geschichte der Menschheit bis zum heutigen Tag eine Geschichte (privilegierter, weißer) Männer war, die Frauen und andere unschuldige Opfer unterdrücken; und dass Frauen, ebenso ihrer einzigartigen Fähigkeit zu Empathie und sozialer Gerechtigkeit, aufgrund ihres angeblich größeren Leidens und ihrer moralischen Unschuld besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit zuteilwerden muss.
Keine Ausprägung des Feminismus entkommt der binären Logik, nach der die Welt in (manchmal komplexe, sich überschneidende) Kategorien von Unterdrückern und Unterdrückten, Opfern und Tätern unterteilt wird, die je nach ihrer Identitätskategorie unterschiedlich behandelt und unterschiedlich bewertet werden.
Weil der Feminismus in Gruppen denkt und die Welt in Unschuldige und Schuldige unterteilt, ist er unfähig, universelle Prinzipien zu entwickeln oder individuelle Gerechtigkeit oder Freiheit anzustreben. Er ist durch sein Opferdenken verzerrt, unfähig, Empathie gegenüber jenen zu zeigen, die Feministinnen als Unterdrücker betrachten, und unfähig, von jenen Rechenschaft zu fordern, die Feministinnen als Opfer ansehen.
In meinen Schriften versuche ich in der Regel, zwischen Feministinnen und Frauen zu unterscheiden. Nicht alle Frauen hassen Männer oder finden Gefallen am Gedanken an deren Leiden, und viele identifizieren sich nicht als Feministinnen. Es ist jedoch nicht immer möglich, diese Unterscheidung aufrechtzuerhalten. Es gibt heute nur noch wenige Frauen, die nicht zumindest von einigen feministischen Annahmen beeinflusst wurden.
Viele Frauen, auch nicht-feministische, sehen sich selbst als Teil einer historisch unterdrückten Gruppe. Die meisten halten es für selbstverständlich, dass besondere rechtliche Schutzmaßnahmen, weltweite Anerkennung, staatliche Programme, jährliche Feierlichkeiten und kulturelle Initiativen die Förderung und das Wohlergehen von Frauen unterstützen sollten. Viele Frauen, vielleicht sogar die meisten, hegen einen gewissen Groll gegen Männer, insbesondere gegen weiße Männer, wegen ihrer angeblichen Privilegien.
Man kann nicht einfach sein ganzes Leben lang von patriarchaler Unterdrückung, weißer Vorherrschaft, männlichen Ansprüchen und toxischer Männlichkeit sowie von weiblicher Opferrolle, heldenhaftem Leiden und tapferem Widerstand hören, ohne zu akzeptieren, dass zumindest ein Teil davon wahr sein muss. Wenn wir die Welt durch die Brille der Opferrolle betrachten, sehen wir Belege, die diese Sichtweise stützen, und ignorieren dabei die Details, die nicht ins Bild passen.
Die Vorstellung, dass Männer es immer gut hatten und Frauen stets unter den Handlungen der Männer gelitten haben, ist seit langem verbreitet. Vielleicht ist sie sogar als Teil eines uralten Überlebensmechanismus in der weiblichen Psyche verankert. Ebenfalls fest in unserem kulturellen Gefüge verankert ist die Tendenz von Frauen, mehr mit anderen Frauen als mit Männern zu sympathisieren; und die von Männern, mehr mit Frauen als mit anderen Männern zu sympathisieren.
Diese natürlichen Neigungen sowohl bei Männern als auch bei Frauen bildeten einen fruchtbaren Boden, auf dem feministische Vorstellungen von Schuld und Unschuld tief Wurzeln schlagen konnten, was den Zorn und den Groll der Frauen schürte und bei den Männern Selbstzweifel und Scham hervorrief.
Ab dem 18. Jahrhundert sprachen und schrieben Frauen im Westen vehement darüber, wie ihre Männer sie betrogen hatten, und Männer wandten sich angewidert gegen ihre Zeitgenossen, bestrebt zu zeigen, dass sie an diesem Verrat nicht beteiligt waren.
Im 19. Jahrhundert und noch stärker im 20. Jahrhundert ließen sich Männer leicht dazu überreden, Gesetze und Programme zugunsten von Frauen zu unterstützen, selbst wenn diese Programme Männer benachteiligten. Die Geschichte der positiven Diskriminierung zeugt von Jahrzehnten, in denen weiße Männer offene, ungerechte Diskriminierung fast ohne Widerspruch hingenommen haben.
Selbst heute, über ein Jahrhundert, nachdem Frauen die volle rechtliche Gleichstellung mit Männern erreicht haben, und ein halbes Jahrhundert nach der Einführung von Förderprogrammen bei der Personalauswahl sowie unaufhörlichen Kampagnen zur Stärkung der Frauen, sind viele Frauen immer noch wütend, und viele Männer versuchen immer noch, Wiedergutmachung zu leisten.
Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Wir werden niemals einen Punkt erreichen, an dem Feministinnen aus eigenem Antrieb beschließen, den Geschlechterkrieg zu beenden und anzuerkennen, dass Männer genug für sie getan haben. Es wird niemals einen Punkt geben, an dem das Leid von Jungen und Männern für Feministinnen wichtiger ist als ihre eigene Macht und Autorität.
Es ist unwahrscheinlich, dass nicht-feministische Frauen allein in der Lage sein werden, ihre verrückten feministischen Schwestern zu besiegen. Dies muss ein gemeinsames Unterfangen von Männern und Frauen sein – entschlossen, mit klarem Blick auf das, was auf dem Spiel steht, und unbeeindruckt von öffentlicher Bloßstellung oder Selbstzweifeln.
Wir müssen den Feminismus als das erkennen, was er ist.
© Janice Fiamengo, alle Rechte vorbehalten, insbesondere aber nicht nur die des deutschen Urheberrechts. Vervielfältigung dieser Übersetzung nur nach Rücksprache mit mir (Tom Todd) oder der Autorin (Janice Fiamengo (Email)) unter Nennung der Quelle („Erschienen zuerst auf Geschlechterwelten.de“).
Übersetzung © tom todd
Fiamengo Dossier 2.0
- Beim Feminismus ging es nie um Gleichberechtigung 20 Dez. 2022
- Die falsche Entstehungsgeschichte des Feminismus: Der Kampf um das Wahlrecht 07 Jan. 2023
- Wie Befürworter der Prohibition Männer infantilisierten (und männerfeindliche Verachtung legitimierten) 15 Jan. 2023
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- Konnten Männer im 19ten Jahrhundert ihre Ehefrauen rechtmäßig vergewaltigen? 24 Apr. 2023
- Die Brandstifterwut der Suffragetten 10 Okt. 2023
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